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Seite 1 von 11 Kapitel 6 – Nicht alte Knochen, nicht junges Leiden, kann uns von unserm Herren scheiden
„Eines der ersten Dinge die fertig wurden, war unser Büro, das die russlanddeutsche Gemeinde uns in einer kleinen Feieraktion übergab“, greift Wilhelm den Faden der Baustelle Wustrower Straße 52 wieder auf. Seit Beginn der Bau- und Renovierungsarbeiten war bei allen Einschränkungen, die diese Übergangszeit mit sich brachte, doch vor allem eines beeindruckend gewesen: Einsatz und Geschick jener Geschwister aus der ECG, die sich in eine baldige Fertigstellung investierten. So kam es bereits am 26. Mai 2007 zur Eröffnung: An diesem Samstag gab der Tag der offenen Tür auch Außenstehenden eine Möglichkeit, die neue Heimat der beiden Gemeinden kennen zu lernen und etwas über ihren Dienst bzw. ihr Anliegen zu erfahren. Einen Tag später gab es um 14 Uhr einen Festgottesdienst zur Einweihung. Etwas bescheidener als beispielsweise bei der Einweihung des Tempels unter Salomo – aber ebenso mit einem Herzen voll Freude und Dankbarkeit! … und auch mit Zuversicht und Tatendrang, wie Bea Einblick gewährt: „Als die Trennwand im Gottesdienstraum wegkam, war unglaublich viel Platz und wir kamen uns sehr verloren vor. Da hat Dieter zu uns gesagt: ‚So Leute, jetzt haben wir etwas zu tun: Evangelisieren bis der Raum voll ist!’“ Sowohl dem Ältesten beim Tätigen dieser Aussage, als auch einem jeden in der Bibelgemeinde war klar, dass dies nicht in der Macht der Menschen steht. Natürlich hätte man in den neuen Räumlichkeiten viel mehr Möglichkeiten, mit den verschiedensten Mitteln Leute aus der näheren und weiteren Umgebung in die Gemeinde zu bringen – aber so wie man sie angelockt hätte, hätten sie auch gefüttert werden wollen. Spätestens nach ein paar langen und ernsten Predigten, eindringlichen Aufforderungen und Ermahnungen und einem Verständnis dafür, was die Bibelgemeinde tatsächlich lebte und umsetzte, hätten solche Menschen wohl bald wieder das Weite gesucht. So hatten die Bibelgemeindler in den vergangenen Jahren schon das ein oder andere Mal traurig feststellen müssen, dass es nur wenige waren, die den Aufrufen folgten – wie Jesus Christus es mit der engen Pforte und dem schmalen Weg treffend zu illustrieren wusste. Leider hatte es sogar hin und wieder solche gegeben, die einige Zeit lang kamen und vieles anhörten und mitmachten, aber sich schließlich doch wieder von selbst abwandten oder ernstlichen Ermahnungen der Ältesten und anderer Geschwister zum Umdenken und Umkehren nicht nachkommen wollten. Wenngleich solche Fälle besonders schmerzlich sind, so sind sie doch auf der anderen Seite auch mit einem Funken Hoffnung verbunden, da diese Menschen zumindest durch Konfrontation und Ermahnung aufgefordert werden, ihr Denken und Handeln zu hinterfragen und sich auf ihr Bekenntnis zum Herrn und zur Nachfolge in Seinen Fußstapfen zu prüfen. Wie schrecklich ist es dagegen, wenn jemand Woche für Woche als „Namenschrist“ zur Gemeinde kommt und am Ende vor Seinem Gott und Richter ein böses Erwachen erlebt, wenn er die Worte hören muss „Ich habe dich niemals gekannt. Weiche von mir, du Übeltäter.“[1] Möge die BiGeBe und eine jede Gemeinde Christi Treue darin beweisen, ihre Mitglieder und Besucher zur Selbstprüfung aufzurufen und durch gesunde Lehre und gelebtes Zeugnis zur Überführung beitragen. Bei allen traurigen Kapiteln gibt es aber auch eine ganze Reihe Gründe zum Danken. Zunächst war da die Taufe von Dirk, Paul und Bijou Green. Die beiden Männer gingen schon mehrere Jahre mit dem Herrn und bezeugten ihren Glauben immer wieder auch solchen, die ohne Gott lebten. Lange Zeit hatten sie nicht gewusst, dass die Bibel sie dazu aufforderte, dieses neue Leben in ihnen auch durch die Taufe zu bekunden. Das hielt sie aber nicht davon ab, es noch nachzuholen, als sie es verstanden hatten. Auch Bijou kannte am Tag ihrer Taufe, dem 12. August 2007, den Herrn bereits seit 12 Jahren und 364 Tagen ihres jungen Lebens. Dennoch war sie sich bewusst, dass sie nicht durch ihre gottesfürchtigen Eltern, sondern nur durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, gerettet werden konnte. Während auch in dieser Darstellung der Gemeindegeschichte oft solchen, die radikale Lebenswandel hinter sich haben, mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, ist das Wunder bei Kindern aus gläubigen Elternhäusern keinen Deut geringer! Bei allem Schwerpunkt auf Ehe, Familie und Kindererziehung in der Bibelgemeinde, kann doch kein noch so vorbildlicher Ältester seine Kinder erretten. Wohl können gute Grundsteine gelegt werden, aber wie der Prophet Jeremia sagt: „Kann ein Schwarzer seine Haut ändern, ein Leopard seine Flecken? Dann könntet auch ihr Gutes tun, die ihr an Bösestun gewöhnt seid.“[2] Ein wirkliches Umdenken kann nur dann geschehen, wenn der Herr unser steinernes Herz mit einem fleischernen Herz ersetzt. Dies nun war auch im Leben von Dirk, Paul und Bijou geschehen – Halleluja! Ein weiterer Grund zum Danken bestand in sich füllenden Plätzen im neuen großen Gottesdienstsaal: Zunächst wären da Lydia Hudym und Ruth Green zu nennen, die Ende 2006/Anfang 2007 ihren Eltern und Geschwistern geschenkt wurden und als „Küken“ nun die beiden Jüngsten Lukas-Noah und Timotheus beerbten, die mittlerweile bereits ihre ersten Gehversuche machten. Das Füllen der Stühle im Gottesdienstsaal konnten sie aber nur ansatzweise bewerkstelligen und mussten dies folglich anderen überlassen. |