Daniel

„Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“
– Epheser 2,8-9 –

Begnadigt! So lautet das wichtigste und alles entscheidende Urteil über mein Leben.
Begnadigt? Also schon vor Gericht gewesen? Schon so viel Mist gebaut? Etwa strafbar geworden? So oder so ähnlich könnte eine erste Reaktion, ein erster Gedankenschluss aussehen. Was will ich damit sagen? Ich kann versichern: Ein Jugendstraftäter war ich nie, mit der Polizei hatte ich also noch keinen ernsthaften Kontakt, und auch vor einem Richter musste ich mich noch nicht verantworten. Eigentlich eine ganz normale und unscheinbare Kindheit, an die man unweigerlich denkt. Was hat mein Leben mit Gnade zu tun? Und warum ist das sogar wichtiger, als erst einmal den eigenen Namen voranzustellen?
Nun, mein Name ist Daniel und ohne Gnade wäre ich restlos verloren. Aufgewachsen bin ich als erstes Kind meiner Eltern, die – akademisch ausgebildet und gut situiert – sich bemühten, ein moralisches Leben zu führen und uns drei Kinder dazu erzogen. Mit einem Bezug zur Kirche aufgewachsen und von der Existenz Gottes überzeugt, waren sie doch blind für ihre eigene Verdorbenheit und das Wesen Gottes, offenbart durch die Bibel, das inspirierte Wort Gottes. Mein Vater erzählte mir kürzlich, er habe schon immer danach gesucht, wie er denn in den Himmel kommen könnte. Die Erkenntnis schenkte der gnädige Gott, als wir im Jahr 1994 zum ersten Mal eine christliche Familienfreizeit besuchten, wo Erwachsene und Kinder gemeinsam unter Anleitung in der Bibel lasen. Das lebendige Wort Gottes hat Sein Werk getan und in dem besagten Jahr meinen Vater und im folgenden Jahr auch meine Mutter zur Umkehr geführt. Die Hinkehr zu Gott hatte Auswirkungen, wie zum Beispiel dass unsere Familie sich einer christlichen Gemeinde anschloss. Dort habe ich regelmäßig die Kinderstunde besucht und – wie schon auf den Familienfreizeiten – durch die Bibel über Gott mehr und mehr gelernt. Seit der zweiten Freizeit war auch für mich klar, dass die Bibel die Wahrheit über Gott sagt und Er existiert. Obwohl ich noch recht jung war, begriff ich, dass ich vor Gott, dem Schöpfer aller Dinge, schuldig bin und einen Retter nötig habe. Auch zu Hause beschäftigte ich mich nun mit der Bibel, um mehr über Gott zu erfahren. Schon damals las ich, was ich heute um so deutlicher sehe: Gott, der Schöpfer und souveräner Herrscher, ist ein heiliger Gott, der auch die für uns unscheinbarsten Vergehen gegen Sein Gesetz (zusammengefasst in den 10 Geboten) nicht dulden kann. So war ich auch in jungen Jahren ein Kind des Zorns, schuldig vor Gottes Gesetz, völlig verloren und im Herzen verdorben, ja, ich hatte ewige Strafe verdient. Trotz einer lieben Familie und der Erziehung durch meine Eltern wurde meine natürliche Verdorbenheit zweifellos sichtbar, wie etwa in meinem Ungehorsam gegenüber meinen Eltern und im ständigen Streit mit meinem jüngeren Bruder. Obwohl ich immer mehr über Gott und die Errettung durch das stellvertretende Opfer Jesus Christus für Sünder erfuhr, wusste ich so wenig, was es heißt, als Christ zu leben. Mein Hass auf die Sünde war gering und inkonsequent, mein Fragen nach Gottes Willen nicht ehrlich, wenn ich daran denke, wie ich vor allem durch heimliches Sündigen gegen Gottes Willen rebellierte.
Nachdem ich in unserer Gemeinde ein Jahr lang den Bibelunterricht besucht hatte, bekannte ich mit 14 Jahren beim Abschluss dieses Unterrichtsjahres meinen Glauben an Jesus Christus und meine Entscheidung, Ihm nachzufolgen vor der Gemeinde. Diese Entscheidung musste ich immer wieder klar unter Beweis stellen, indem ich mich von den Dingen abwandte, die meinen heiligen Gott beleidigen, weil sie gemäß Seinem Gesetz Strafe erfordern. So war es für mich keine Frage, mich von Sünden wie zügelloses Alkoholtrinken, Drogenkonsum oder jeglichen Beziehungen mit Mädchen fernzuhalten; Dinge, die meine Klassenkameraden mehr und mehr ausprobierten. Auch wenn ich damit alleine dastand, so bekannte ich oft meinen Glauben an Jesus Christus. Je älter ich wurde, desto deutlicher erkannte ich die Verdorbenheit der Sünde und auch die Zerstörung, die sie mit sich bringt. Ich erfuhr, wie mich auch die heimlichen Sünden oder selbst Gedanken an die Sünde von Gott trennten. Damals hatte ich noch sehr wenig von der Gnade Gottes verstanden und sah sie oft unbewusst als einen Anlass an, die Sünde nicht so ernst zu nehmen. So wurde ich mehr und mehr zu einem Heuchler, denn in Wirklichkeit wollte ich zwar nach außen hin – und vor mir selbst – gut dastehen, aber im Verborgenen nahm ich es dann nicht so genau mit dem Gehorsam gegenüber Gott. Wie oft habe ich dadurch die Heiligkeit Gottes beleidigt, wie oft versucht, aus selbstsüchtigen Motiven ein christliches Leben zu leben, das von anderen Christen respektiert wird. So habe ich mir durch eine Reihe von guten Büchern immer mehr Wissen angeeignet und doch die Theorie so wenig in die Praxis umgesetzt. Jede Heuchelei bewirkte ein Abstumpfen des Gewissens und so dachte ich, manches Sündigen sei unvermeidbar – zweifellos eine verkleidete Liebe zur Sünde.
Eine ständige Ermutigung, den Weg des Gehorsams gegenüber Gott zu gehen, waren zahlreiche Freizeiten, insbesondere eine Ferienbibelschule, auf der ich viele Freunde fand, die gleichermaßen Christus nachfolgen. Das bedeutet, sich bewusst Gottes Autorität und Führung zu unterstellen und vor allem anderen Menschen zu dienen. Dies war entscheidend für die  Wahl eines einfachen Schulpraktikums bis hin zu der Frage, wo ich meinen Zivildienst ableiste. Nach dem Zivildienst in Asien bin ich dann letztendlich zum Studium in Berlin gelandet und freue mich übermäßig, eine bibeltreue Gemeinde zu haben. Durch einen noch intensiveren Umgang mit dem Wort Gottes habe ich sogar grundlegende Wahrheiten des Glaubens noch tiefgründiger erkennen können und die Auswirkung der Wahrheit in meinem Leben erfahren. Ich habe erlebt, wie wichtig ein rechtes Gottesbild ist, wie entscheidend der Stellenwert und die Notwendigkeit der Buße, und was es heißt, über seine Sünden zu weinen.

Wie ich begann, so will ich auch schließen. Die Worte aus dem Epheserbrief (Die Bibel, Neues Testament) sind Wahrheit auch für mein Leben:
„Denn aus Gnade seid ihr errettet“ – Allein aufgrund von Gottes bedingungsloser Liebe darf ich nun als ein von der Knechtschaft der Sünde befreiter Mensch leben.  „Durch den Glauben“ – Ja, der Herr öffnete mir die Augen für meine vollständige Verlorenheit und das unwandelbare, heilige Wesen Gottes, sodass ich allein auf Gott mein Vertrauen setzte, da ich unabhängig von Ihm nichts darstelle.
„Und das nicht aus euch“ – Trotz aller moralischer Erziehung und jeglicher Intelligenz: ohne Gott konnte ich die Wahrheit über Ihn und die Wahrheit über mich selbst niemals erkennen.
„Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken“ – Meine besten Taten sind wie schmutzige Kleider vor Gott und so wenig, wie sie mich retten konnten, so wenig können sie mir jemals vor Gott Ansehen verschaffen.
„Damit niemand sich rühme“ – Ich bekenne, dass der ursprüngliche und alleinige Zweck, zu dem ich – ebenso wie jeder Mensch – geschaffen wurde, die Verherrlichung Gottes und nicht die Selbstverwirklichung ist. Auch eine „christliche“ Selbstverwirklichung, die ich oft verfolgt habe, ist ausgeschlossen. So bleibt: Soli Deo Gloria – Allein Gott die Ehre!

 

Mai 2007

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